Verfasst von: skategyrl | 19/04/2014

Schöne(re) Feiertage

Prolog

Zwei Kolleginnen unterhalten sich im Büro.
„Und, hast nimmst du dir über Ostern freigenommen?“
„Nee, dieses Jahr nicht, ich spare mir den Urlaub lieber auf für wenn das Wetter besser ist und mach dann ein richtig schönes langes Wochenende. Und du?“
„Ach, die Kinder haben ja eh Ferien, deswegen haben wir uns entschieden uns beide freizunehmen und ein paar Tage zu den Eltern meiner Frau zu fahren. Die sind halt noch ein bisschen altmodischer und veranstalten mit den Kindern so Sachen wie Eier bemalen und Schokoeier suchen. Ob die Kinder mit in die Kirche gehen, können sie aber selber entscheiden. …Aber, sitzt du dann an Karfreitag nicht ganz alleine im Büro? Ist das nicht etwas einsam?“
„Nein, überhaupt nicht. Es haben ja nur etwa die Hälfte der Abteilung frei, und ich finde es auch mal ganz schön wenn es etwas ruhiger ist, dann kriege ich viel mehr geschafft. Also, dann wünsche ich dir schöne Feiertage!“
„Danke, und dir wünsche ich frohes Schaffen, bis nächste Woche!“

 

Was ich hier dargestellt habe, ist eine Utopie, zumindest nach meiner Vorstellung. Es wären aber nur ein paar kleine Änderungen nötig, um sie in die Realität umzuwandeln. Wir müssten nur alle gesetzlichen Feiertage (bis auf Silvester/Neujahr) abschaffen und allen Arbeitnehmer_innen stattdessen die entsprechende Anzahl an zusätzlichen Urlaubstagen zusprechen, die sie sich frei einteilen könnten. Bei der Gelegenheit könnte man auch gleich eine bundesweit einheitliche Regelung durchsetzen. Wer dann immernoch ganz klassisch die christlichen Feiertage begehen möchte oder Karneval feiern usw. kann das weiterhin tun, aber die anderen wären nicht mehr daran zwingend gebunden.

Die Folge wäre dass alle mehr Entspannung hätten, und dass die Menschen jeweils nach ihrer Fasson leben könnten, statt dass einige „Toleranz“ einfordern dafür dass sie anderen ihre Vorschriften und Verbote diktieren. Die Wirtschaft würde sich auch freuen dass die vielen unproduktiven Tage im Jahr passé sind, und es gäbe kein Verkehrschaos mehr an langen Wochenenden.

Aber dafür müsste die Gesetzgebung mal ein bisschen mehr für die Trennung von Staat und Kirche tun. Ihr wisst ja, religion is like a penis.

 

Epilog

Zwei Kollegen unterhalten sich im Büro.
„Guten Morgen! Oh, du siehst aber fertig aus. Schlecht geschlafen?“
„Ja, ich wurde um sieben von Kirchenglocken geweckt.“
„Was, von Kirchenglocken?! Wie geht das denn?“
„Mein Nachbar ist halt schon ein bisschen schwerhörig und stellt sein Kirchen-Empfangsgerät immer viel zu laut ein. Er hat sich aber schon entschuldigt.“
„Achso. Moment, ist das etwa der Nachbar, der deine Frau so fies beleidigt hat wegen ihrer Hautfarbe?“
„Ja genau der, aber seit er für drei Monate in Therapie war, ist er ein ganz neuer Mensch. Er ist jetzt richtig nett.“
„Na das ist ja super. Kaffee?“
„Gerne.“
„Und, hast du’s schon mitbekommen? Die Katholiken haben schon wieder einen neuen Papst.“
„Ach, echt? Kam nix drüber in den Nachrichten.“

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Verfasst von: skategyrl | 01/03/2014

Das Leben der anderen

Stop-Schild

By Bidgee (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Die Ampel, an der ich sonst jeden Morgen warten muss, steht heute ausnahmsweise auf Grün. Ich freue mich, so kann ich endlich mal meinen Schwung ausnutzen und noch ein bisschen in die Pedale treten statt wie sonst auf die Bremse, nur um dann mühselig ein paar Sekunden später wieder von Null anfahren zu müssen. Gerade als ich die Kreuzung erreiche jagt ein Adrenalinschub durch meinen Körper, denn meine Augen haben ein Auto erfasst das mit hoher Geschwindigkeit genau auf mich zukommt. Ob der Blinker das Linksabbiegen ankündigt kann ich nicht mehr sagen, jedenfalls ist der Wagen auf Kollisionskurs mit mir. Ich lege eine Vollbremsung ein, komme ins Schleudern, kann gerade noch das Ausbrechen meines Hinterrads stoppen und so einen Sturz verhindern. Der Autofahrer… vermindert seine Geschwindigkeit gerade so weit um ca. einen Meter vor meinem Lenker abbiegen zu können, um dann an dem kleinen mobilen Imbiss direkt hinter der Kreuzung anzuhalten und sich in aller Seelenruhe einen Coffee to go zu holen*.

Wenn ich an dieser Stelle einen kurzen Moment unaufmerksam gewesen wäre oder nicht so gute (jahrelang trainierte Gamer-)Reflexe gehabt hätte, wäre diese Situation vermutlich nicht so glimpflich ausgegangen. Die meisten von euch werden sicherlich ähnlich haarsträubende Geschichten erlebt haben, gegen die man im Grunde nichts machen kann aber die eins mit einem brodelnden Gemisch aus Wut, Angst und Frustration zurücklassen. Gerade auf dem Fahrrad ist man besonders gefährdet, weil man in Relation zu der hohen Fahrtgeschwindigkeit wegen der fehlenden Knautschzone praktisch ungeschützt ist. Aber selbst im Auto ist man nie zu 100% sicher, auch wenn man selbst sich korrekt verhält und noch so vorausschauend fährt.

Ich habe das Gefühl, der Strassenverkehr ist in vierlerlei Hinsicht ein Spezialfall wo die üblichen Regeln des menschlichen Umgangs ausser Kraft gesetzt werden. Nirgendwo sonst kommt man so direkt mit einem so breiten Querschnitt der Bevölkerung in Kontakt, und nirgendwo sonst gibt es ein solches Aggressionspotential. Nicht ohne Grund gibt es einen separaten, sehr detaillierten Bussgeldkatalog für Beleidigungen im Strassenverkehr.

Zunehmend verbreitet sind jetzt daher auch Dashcams (bei Autos) bzw Helmkameras (bei Fahrrädern). Diese bewegen sich im Moment noch in einer rechtlichen Grauzone, v.a. wenn die Videos bei Youtube etc. öffentlich gemacht werden. Ich persönlich finde einen solchen „Online-Pranger“ auch nicht sinnvoll, andererseits habe ich definitiv kein Problem damit wenn man Aufnahmen von Verstössen an die Polizei weitergibt. In dem Zusammenhand von „Denunziantentum“ zu sprechen halte ich für gefährlichen Blödsinn. Wenn ich Zeugin eines Verstosses oder Verbrechens werde habe ich das Recht, vielleicht sogar die Pflicht, das anzuzeigen – wenn ich dafür handfeste Beweise habe, umso besser. Das heisst jetzt nicht dass man jedes knappe Überholmanöver zur Anzeige bringen muss. Aber Leute die sich einmal so rücksichtlos verhalten haben, tun das wahrscheinlich regelmässig und sind daher nicht einfach „nur“ Arschlöcher, sondern stellen eine reale Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Ich schreibe jetzt in erster Linie aus der Perspektive einer Radfahrerin, weil das zur Zeit das Verkehrsmittel ist das ich persönlich am Häufigsten nutze. Ich versuche mich immer an die Regeln zu halten, ich weiss aber auch dass viele Radfahrende sich so verhalten als würden für sie keine oder andere Regeln gelten, weil sie ja „nur“ mit dem Fahrrad unterwegs sind. Manche ignorieren rote Ampeln und Vorfahrtsregeln oder fahren im Dunkeln ohne Licht, ohne dabei zu realisieren dass sie sich selbst damit in grosse Gefahr bringen, aber auch indirekt andere. Wenn ein Auto unerwartet einem Fahrrad ausweichen muss, könnte es zu einem Unfall kommen bei dem vielleicht nicht der Radfahrer oder die Radfahrerin selbst, dafür aber eine unbeteiligte Person zu Schaden kommt. Und in den Köpfen der Autofahrenden wird damit auch die Vorstellung zementiert, dass sich alle Radfahrenden generell im Strassenverkehr rücksichtlos verhalten. Das kann dazu führen dass die Autofahrenden bei der nächsten Begegnung mit einem Fahrrad sich aus Rache dann ebenso rücksichtslos verhalten.

Foto einer Unfallstelle um die Rettungskräfte versammelt sind

By MoserB.MoserB at German Wikipedia (selbst fotografiert) [Public domain], from Wikimedia Commons

Das bewusste „kampfradeln“ mit der trotzigen Begründung dass die Ampeln etc nicht auf Fahrräder ausgelegt sind kann ganz sicher nicht die Lösung sein. Dann können wir Verkehrsregeln auch gleich abschaffen. Nein, das Problem hat nichts direkt mit dem jeweiligen Verkehrsmittel zu tun, sondern steckt schon in den Köpfen der Menschen die sich wie die letzten Arschgeigen verhalten oder sich zumindest nie bewusst gemacht haben dass sie auch für das Leben der anderen Menschen verantwortlich sind wenn sie am Strassenverkehr teilnehmen. Auf kurze Sicht muss eine politische Lösung her, bei der alle Beteiligten im Strassenverkehr angehört und berücksichtigt werden und nicht einzelne Gruppen pauschal beschuldigt werden. Auf längere Sicht müssen die Menschen ihr Verhalten ändern, denn dieses Klima der Rücksichtslosigkeit macht die ganze Gesellschaft kaputt.

An dieser Stelle möchte ich euch einmal vom kategorischen Imperativ erzählen. Dieser etwas sperrige Begriff meint nichts anderes, als dass jede_r sich an die Regeln halten sollte die für alle gelten (leicht vereinfacht, die exakte Definition gibt es hier). Andersrum formuliert würde das System „Gesellschaft“ zusammenbrechen wenn sich zu viele Menschen nicht daran halten. Beispiele aus dem Alltagsleben wo der kategorische Imperativ gebrochen wird sind Steuerhinterziehung, Vordrängeln oder Ladendiebstahl, aber eben auch, wenn jemand unter Einfluss von Alkohol (oder anderen Drogen) Auto fährt, jemandem die Vorfahrt nimmt oder über eine rote Ampel fährt. Unverbesserliche Deppen und Egoisten wird es immer geben, das ist klar. Aber wenn ein paar mehr Leute den kategorischen Imperativ befolgen würden, wäre schon viel gewonnen.

Also bitte, und das geht an alle, denkt einfach mal kurz nach bevor ihr in den Wagen steigt oder aufs Moped oder wasauchimmer. Ich will nicht, dass der Weg zur Arbeit, zum Supermarkt oder auf eine Party zum Krieg stilisiert wird. Ich will nur unversehrt und in angemessener Zeit von A nach B kommen. Ich denke mal, das wollt ihr auch, oder?

Nachwort

Zum Abschluss noch eine kleiner Rant zu SUVs. Es gibt nämlich Autos, und es gibt AUTOS. Und wenn du in einen Unfall mit einem AUTO gerätst, wird es dir auch nicht mehr viel helfen wenn du selbst in der relativ geschützten Innenkabine eines Autos sitzt (auf dem Fahrrad oder per pedes hast du eh quasi keine Chance). Wegen schlichter Physik verursachen nämlich die deutlich schwereren SUVs im Vergleich zu normalen Autos bei gleicher Geschwindigkeit viel grössere Schäden (Quelle zB hier und hier). Tragischerweise betrifft das allerdings nur die Unfallgegner, d.h. um sich selbst und die eigene Familie besser zu schützen macht es durchaus Sinn, einen SUV zu fahren (was aber wieder gegen den kategorischer Imperativ verstossen würde). Man nimmt damit aber potentiell schwere bis tödliche Verletzungen anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf. Auch hier sehe ich wieder die Politik in der Verantwortung, denn so lange solche „motorisierte Mordwaffen“ (lasse mich hier gerne zitieren) erlaubt sind, werden Leute sie kaufen.

* Ich spare mir hier die Vergleiche zwischen Kaffeetrinkern und Suchtkranken.

Verfasst von: skategyrl | 24/08/2013

Highlights von der GamesCom 2013

Weiterlesen …

Verfasst von: skategyrl | 08/03/2013

Leckere Veggie-Rezepte

In meinem gestrigen Post über den Umgang von Vegetarier_innen und Veganer_innen mit Nicht-Veggies habe ich es ja schon angedroht: Ich möchte euch ein paar meiner Lieblings-Rezepte vorstellen und würde mich über zahlreiches Nachkochen, Rumexperimentieren und Feedback freuen. Guten Appetit! :)

Vegetarische Enchiladas

Dieses von der mexikanischen Küche inspirierte Gericht ist in 30-45 Minuten zubereitet und schmeckt auch aufgewärmt am nächsten Tag noch super!

Zutaten:

  • 6 Weizen-Tortillas
  • etwas Olivenöl
  • 1 Zwiebel
  • 1 Paprika
  • 1 Zucchini
  • 1 Dose Kidney-Bohnen
  • 1 Dose Mais
  • 1 Dose Pizzatomaten
  • 1 Packung geriebener Käse, zB Gouda
  • Cayenne-Pfeffer, Kreuzkümmel (Cumin), Salz, Pfeffer
  • (evtl. 1 Becher Schmand)

Zubereitung:

Zwiebel kleinschneiden und im Öl anbraten. Paprika und Zucchini dazugeben und andünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. In der Zwischenzeit für die Sosse die Pizzatomaten mit je nach gewünschtem Schärfegrad 1/4-1 TL Cayenne-Pfeffer und 1/4 TL Kreuzkümmel mischen. 1/2 Tasse Tomatensaft separat aufheben (oder Wasser von den Kidney-Bohnen).

Ofen auf 200° vorheizen. Das gebratene Gemüse mit der Tomatensosse, den Bohnen und dem Mais gleichmässig in die Tortillas füllen und sie aufgerollt nebeneinander in eine Backform legen. Mit dem Rest der Sosse übergiessen und mit dem Käse bestreuen. Ca. 15 Minuten backen.

Mit einem Klecks Schmand servieren (mildert auch die Schärfe ab).

Hinweis:

Ihr könnt auch einfach den Käse und den Schmand weglassen, dann ist das Gericht vegan.

Veganer Bohnentopf

Ich stehe eigentlich nicht so auf Bohnen, aber dieser Eintopf schmeckt einfach grossartig und eignet sich auch als gute Alternative zum Party-Klassiker Chili con/non Carne.

Zutaten:

  • 1 Zwiebel
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • etwas Olivenöl
  • 1 Aubergine
  • 1 Paprika
  • 1 Zucchini
  • 1-2 Dosen grosse weisse Bohnen
  • 1 Dose Pizzatomaten
  • 1 EL Gemüsebrühpulver
  • Oregano, Thymian, Cayenne-Pfeffer, Kreuzkümmel, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Olivenöl in einem grossen Topf erhitzen, gehackten Knoblauch und kleingeschnittene Zwiebel anbraten. Gewürze hinzufügen. Gewürfelte Aubergine, Paprika und Zucchini nach und nach hinzufügen (oder in einer separaten Pfanne dünsten und später dazugeben).

Pizzatomaten, Bohnen und Gemüsebrühe (Pulver+Wasser) hinzugeben und kurz aufkochen lassen, danach noch ein paar Minuten köcheln lassen bis das Gemüse gar ist.

 

So, und nun seid ihr gefragt. Teilt eure besten vegetarischen/veganen Rezepte!

Verfasst von: skategyrl | 07/03/2013

Hallo Veggie!

Disclaimer: Ich benutze in diesem Text den Begriff „Veggie“ als Bezeichnung für Menschen die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Das ist schön kurz und braucht praktischerweise auch nicht gegendert zu werden. Dafür ist der Post umso länger ;)

Mahlzeit! Ich wollte schon länger mal über das Thema Vegetarismus/Veganismus bloggen, musste aber jetzt erstmal wieder warten bis der Wirbel um den jüngsten Lebensmittelskandal abgeflaut ist und diese unsäglichen(!!!) Pferde- und Ponywitze im Twitter-Nirvana versickert sind. Jetzt habe ich mir aber endlich die Zeit genommen, und habe sogar noch 3 tolle Menschen für ein kleines Interview gewinnen können: Und zwar sind das @AranJaeger, @bartmeise und Joël (@JollySea/Blog).

Worum es mir dabei ging waren weniger die diversen Gründe sich für ein vegetarisches/veganes Leben zu entscheiden (wer sich dafür interessiert mag sich die Linksammlung unten zu Gemüte führen), sondern mein Fokus lag darauf wie Veggies und Omnivore („Allesfresser“/Nicht-Veggies) miteinander umgehen.

An dieser Stelle muss ich mal disclaimern, auch wenn es hier nicht um mich gehen soll: Ich bin selbst gar keine Veggie. Ich lebe ca. zu 90% vegetarisch und versuche darauf zu achten was ich konsumiere. Wenn zB in Frischkäse A Gelatine drin ist und in Frischkäse B nicht, dann kaufe ich B (was zum Henker hat da überhaupt Gelatine drin zu suchen?!). Ich gebe aber ganz offen zu dass es mir schwerfallen würde, komplett auf bestimmte Sachen zu verzichten, aus verschiedenen Gründen. Ich beschäftige mich allerdings viel mit dem Thema, auch weil es in meinem Freundeskreis viele Veggies gibt, und würde mich zumindest als Veggie-Ally* bezeichnen (gibt’s das?). Ich rege mich auch oft darüber auf dass Inhaltsangaben versteckt sind oder dass in der Mensa die vegetarischen Menüs standardmässig kleiner sind als die mit Fleisch oder Fisch.

Was ich gar nicht nachvollziehen kann ist dass offenbar viele Fleischesser_innen das Bedürfnis haben, auf Veggies rumzuhacken oder sich mindestens über sie lustig zu machen. Wie Scheisse ist das bitte?! Zuallererst einmal hat niemand das Recht jemand anderem reinzureden wie sie oder er sich ernährt. Punkt. Und die Art und Weise wie solche Angriffe (ja, teilweise treten da echte Aggressionen zutage) stattfinden sagt auch einiges über diese Leute aus.

Allein bei diesen Sprüchen kommt es mir hoch. „Vegetarier ist ein altes Indianerwort für schlechter Jäger“ ist nicht nur dämlich sondern auch rassistisch. Und da Fleisch zu essen aus irgendwelchen Gründen für besonders (hetero-)männlich gehalten wird ist die Homophobie bei solcherlei Witzen auch nicht weit („Tofu ist schwules Fleisch“). Was für mich persönlich den Vogel abschiesst ist aber „Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“(**). Wenn man bedenkt dass Viehzucht ein gewaltiger Klimakiller ist und dass das Getreide das an Schweine und Kühe verfüttert wird viel mehr Menschen satt machen würde als das Fleisch es tun könnte, ist die Aussage nicht nur haarsträubend falsch sondern geradezu zynisch. Auf mich wirken diese ganzen Sprüche immer so als würden diese Leute schlicht ihr eigenes schlechtes Gewissen an anderen auslassen (Freud, anyone?). Je schlimmer das zwickt, desto aggressiver werden sie.

Oft verteidigen sich die Fleischesser_innen damit dass die Veggies angeblich so militant wären und ständig die anderen missionieren und sogar beschimpfen. Ich persönlich habe das so noch nie erlebt. Natürlich habe ich schon einige Diskussionen geführt, aber auch innerhalb der Veggie-Gemeinschaft wird ja auch mitunter hitzig darüber gestritten was alles „erlaubt“ ist und was nicht.

Aber das ist meine subjektive Empfindung, lest selbst was meine Interview-Partner_innen zu sagen haben:

1.) Welche Reaktionen von Fleischesser_innen im Umgang mit deiner vegetarischen/veganen Lebensweise nerven dich am Meisten?

Joël: Am Anfang haben die üblichen Fragen à la „Isst du denn Fisch? Oder Geflügel?“ mich ziemlich genervt, heute kommt das eher selten vor. Das gut gemeinte „ich esse wenig/selten Fleisch“ entpuppt sich meist spätestens nach dem ersten gemeinsamen Abstecher zum Kebapstand als Einbildung. Generell sind das ja alles Abwehrreaktionen, um das eigene Essverhalten nicht reflektieren zu müssen.

Aran: Mich persönlich nerven eigentlich fast alle Reaktionen darauf. Es mag für Aussenstehende vielleicht doof klingen aber es ist oft lästig darauf angesprochen zu werden das mensch Veganer ist. Egal wie nett und lieb sie gemeint [sind], Kommentare zu meinem Veganismus nerven mich einfach nur noch weil ich dann das Gefühl habe wie eine Schallplatte immer und immer wieder zu sagen: „[…] Ja ich esse ausgewogen genug. Nein es ist nicht so teuer wie mensch denkt […]“ usw. usf. Dies geht inzwischen so weit das ich in Gruppen in denen mensch mich nicht kennt versuche solange wie möglich mein Essensverhalten zu verschleiern. Am meisten von allem nervt mich aber: „Ja ihr Veganer esst doch unserem Essen das Essen weg“ & wenn ich gleich als „Ökospinner“ angesehen werde.

bartmeise: ich ernähre mich seit 12 jahren vegetarisch und seit einem halben jahr vegan. mit anfeindungen werde ich also regelmäßig konfrontiert. […] es scheint, als fühlten sich fleischesser_innen allein durch meine persönliche entscheidung, vegan zu essen, angegriffen.
darüber hinaus werden mir oft gespräche über gesunde ernährung aufgezwungen. mal wird mir unterstellt, ich äße super gesund. mal wird mir vorgehalten, ich ernähre mich mangelhaft, das könne ja gar nicht gesund sein. well, that’s none of your business.

2.) Welche Reaktionen würdest du dir wünschen?

Aran: Entweder keine oder „Oh ich finde gut das du das machst.“ oder „Ich war/bin auch mal Vegetarier Veganer (gewesen).“

bartmeise: ich würde mir wünschen, dass meine entscheidung, mich vegan zu ernähren, einfach so akzeptiert wird. wer sich über eine solche ernährung informieren möchte – es gibt unzählige quellen im internet. ich möchte mich nicht ständig erklären müssen.

Joël: Ich habe nichts gegen Diskussionen […] Eine „richtige“ Auseinandersetzung kann durchaus bereichernd sein.
Ich will ernst genommen werden und ich wünsche mir, dass auf meine Essgewohnheiten Rücksicht genommen wird, vor allem bei Essenseinladungen (z.B. zu Familienfeiern) in ein Restaurant oder Ähnliches.

3.) Wie sollten deiner Meinung nach Veggies miteinander und mit Fleischesser_innen umgehen?

bartmeise: ganz einfach: solidarisch sein. dass die entscheidung, sich vegan zu ernähren, akzeptiert werden sollte, steht außer frage. darüber muss nicht diskutiert werden.
für mich bedeutet solidarität z. b., dass bei einem zusammentreffen von leuten unterschiedlicher ernährungsweisen einfach für alle vegan gekocht wird. ich möchte nicht in die situation gebracht werden, irgendwelche nachteile zu haben, vorgeführt oder ausgegrenzt zu werden. hey, pommes sind vegan. spaghetti mit tomatensoße sind vegan, im internet finden sich tausendfach rezepte zu den tollsten veganen kuchen und torten.

Joël: Vegetarier_innen und Veganer_innen sollten möglichst solidarisch miteinander umgehen;  ansonsten gilt „essen und essen lassen“. Wie sehr man mit seinen Essgewohnheiten und seinen ethischen Überzeugungen hausieren geht, muss im Endeffekt jede_r selbst entscheiden, ich persönlich finde einen freundlichen Umgangston meistens angebrachter. Ich „missioniere“ nicht gerne, freue mich aber, wenn Fleischesser_innen weniger Fleisch essen bzw. ihren Konsum reflektieren.

Aran: a) Die Gruppe „Veggie“ ist erstmal keine einheitliche Gruppe weswegen es auch schwierig ist sie zu „organisieren“ […]. Hier kann mensch also nur ein Allgemeinplätzchen verteilen: Respekt füreinander haben & sich solidarisch verhalten. Ansonsten: Share ALL the Veganen Rezepte \o/
b) Mit Omnivoren ist das so eine Sache. Veggies lernen recht früh da sie […] schnell in die Ecke gedrängt werden das sie die „Freiheit der Omnivoren“ bedrohen. Da es aber darum geht Menschen von seiner Idee zu überzeugen bringt es eigentlich fast nie etwas Diskussionen anzufangen. Hier habe ich mir einfach zur Regel gemacht sobald jemand zu mir kommt und wirklich ernsthaft darüber diskutieren will dann diskutiere ich darüber. Wenn ich merke ich werde getrollt unterbreche ich das Gespräch. Auch das Zeigen von brutalen Bildern der Schlachtung der Tiere oder Ähnliches, zu Zwecken der Überzeugung lehne ich ab da dies meist die gegenteilige Wirkung hat.

4.) Welche Änderungen würdest du dir von der Nahrungsmittelindustrie wünschen? Welche lebensmitteltechnischen Innovationen erhoffst du dir in der Zukunft?

Aran: Dass sie Tiere nicht mehr schlachten und ausbeuten wäre zu leicht, oder? :P
Ich würde mir wünschen das es verbindlich wäre auf vegane Produkte die „Sonnenblume“ zu drucken. Diese ist das allgemein akzeptierte Zeichen des Veganismus und würde mir damit ersparen […] immer wieder Inhaltsangaben auf der Verpackung durchzulesen.
Ich würde mir bei manchen veganen Produkten wünschen das sie billiger werden; dies liegt aber oft auch in der Macht des Konsumenten. An sich gibt es meiner Meinung nach genug vegane Ersatzprodukte[…]. Ja nicht jedes Produkt schmeckt wirklich nach dem zu ersetzenden, aber wenn mensch lange genug sucht findet er eigentlich fast IMMER einen passenden Ersatz.
Den einzigen „großen Sprung“ den ich mir von der Nahrungsmittelindustrie allerdings erhoffe ist aber eine kostengünstige Möglichkeit Fleisch ohne das Tier zu züchten. Es gibt bereits jetzt die Möglichkeit Fleisch künstlich herzustellen es ist allerdings noch zu teuer.

Joël: Ich würde mir mehr vegane Süßigkeiten und vor allem eine große Auswahl an veganem Käse wünschen. Diese zwei Dinge halten mich bisher noch davon ab, vegan zu werden.

bartmeise: ein erster schritt wäre die einführung eines food labelling systems. das bedeutet, dass alle produkte, die du im supermarkt oder im restaurant kaufen kannst, gekennzeichnet sind, ob sie vegan sind oder nicht, vegetarisch, glutenfrei etc.
und als zukunftsvision: ich würde mir wünschen, dass bald niemand mehr glaubt, wir seien auf tierische produkte angewiesen. pikant gewürzte, faserige eiweissprodukte müssen nicht tierischer herkunft sein.

Danke an euch alle!

Also halten ich mal abschliessend fest: Wir sollten alle besser mit einander umgehen, solidarisch sein und auch mal zuhören statt immer weiter Vorurteile zu propagieren und bestehende Gräben noch tiefer auszuheben. Und Lebensmittel sollten auf jeden Fall generell besser gekennzeichnet werden. Da haben wir nämlich alle was von.

Falls jetzt jemand Hunger gekriegt hat, morgen gibt es hier im Blog leckere Veggie-Rezepte!

Links:

Homepage vom Vegetarierbund Deutschland: http://www.vebu.de/

Informative Seite über die Klima-Aspekte von Nutztierhaltung, mit Links auf die Welternährungsorganisation: http://www.vegetarismus.ch/klimaschutz/

„Shit people say to vegetarians“ (Video): http://www.youtube.com/watch?v=sIrlBcY4CLc

Defensive Omnivore Bingo: http://www.easyvegan.info/bingo-cards/

„The dumbest things people say to vegetarians and vegans“: http://kerryg.hubpages.com/hub/The-Dumbest-Things-People-Say-To-Vegetarians-and-Vegans

Über diese Geschichte dass Adolf Hitler angeblich Vegetarier war: http://www.daswissensblog.de/hitler-war-vegetarier-und-andere-unwahrheiten-ueber-adolf/

Über Konflikte innerhalb der Veggie-Gemeinschaft: http://idogiveadamn.blogspot.de/2012/12/uber-die-vegane-weltrettungskackscheie.html

* Es würde mich auch echt mal reizen zu analysieren, ob es so etwas wie ein Privileg ist, Omnivor zu sein.

** falls sich noch jemand erinnert, das war damals™ eine sehr gut besuchte StudiVZ-Gruppe und erfreut sich bei Facebook und auf T-Shirts etc.  auch jetzt noch grosser Beliebtheit

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