Verfasst von: skategyrl | 24/05/2012

Erwachsen, das sind die anderen

Vor ein paar Tagen hat der @senadpalic einen interessanten Cartoon über das Erwachsenwerden in meine Timeline geworfen: „What it means to be an adult“. Gelesen? Gut.

Die junge Frau in dem Cartoon stellt überrascht fest dass Erwachsensein nicht das ist was sie sich vorgestellt hat. Sie hat erwartet dass es irgendwie „Ping!“ oder so macht und dass sie dann auf einen Schlag erwachsen ist. In Wirklichkeit fühlt sie sich aber gar nicht verändert sondern mindestens genauso ratlos wie vorher. Ich kann mich damit sehr gut identifizieren, mir geht das oft genauso.

Solange man selbst Kind ist, ist die Welt ja sehr klar eingeteilt in Kinder (die nicht einfach machen dürfen was sie wollen) und Erwachsene (die das machen dürfen was sie wollen und noch dazu den Kindern sagen dürfen was sie tun sollen). Zu welcher Gruppe man gehört wird einem dabei vor allem durch die Interaktion mit anderen bewusst gemacht. Wenn die Eltern „jetzt aber ab ins Bett!“ sagen, geben sie dem Kind das Feedback „du bist nur ein Kind, du hast nichts zu melden“. Natürlich hat Kindsein auf der anderen Seite den Vorteil dass man unselbständig sein darf. Mit dem Einsetzen der Pubertät beginnt man dann immer mehr gegen dieses Autoritätenverhältnis zu rebellieren, und spätestens wenn man auszieht und irgendwann den eigenen Lebensunterhalt bestreitet, ist man objektiv emanzipiert (im ursprünglichen Sinne des Wortes) bzw. erwachsen. Aber subjektiv?

Ich merke an mir dass ich neben dem körperlichen Alterungsprozess (ja, ich hab sogar schon ein paar graue Haare!) mich durchaus verändert habe, etwas reifer und vernünftiger geworden bin usw., aber eben nicht so sehr wie ich erwartet hätte. Ich fühle mich nicht erwachsen, und ich kenne auch sonst niemanden der das so von sich sagen würde. Es war für mich auch ehrlich gesagt noch nie wirklich erstrebenswert, erwachsen zu werden, abgesehen davon dass man dann tun und lassen kann was man will, in alle Filme reinkommt etc. Erwachsene sind doof, die sind immer so ernst und haben nie Zeit zum Spielen. Und, viel schlimmer: Erwachsene sind alt. Jahaaa, autsch.

Bei mir kommt auch noch hinzu dass ich eher klein bin und oft für deutlich jünger gehalten werde. Interessanterweise halten mich Gleichaltrige und Ältere eher für einen Teenager oder maximal 20, Kinder und Jugendliche aber für eine Erwachsene. Ich zucke immernoch jedesmal zusammen wenn irgendein Kind sagt „Mama, lass mal die Frau vorbei“ oder Ähnliches. Also stimmt offensichtlich das Bild was ich von mir selber habe nicht mit dem überein was andere Leute sehen.

Ich habe früher immer gedacht, mit 18 ist man erwachsen. Dann wurde 25 draus, dann 30. Und mittlerweile rede ich mir ein dass man halt dann erwachsen ist wenn man eigene Kinder hat. Aber ich vermute, selbst das stimmt nicht. Ehrlich gesagt finde ich Erwachsenwerden und -sein immernoch doof. Wenn ich mit Kindern rede, versuche ich ihre Meinungen und Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie die eines Erwachsenen. Und ich merke wie gut ihnen das tut weil das eben nicht viele so machen. Schade eigentlich, oder?

Ich bin dafür, wir schaffen die Stufe „erwachsen“ einfach ab und sind ab jetzt nur noch grosse und kleine Kinder. Und dann dürfen wir alle auch mal bis in die Puppen aufbleiben, den ganzen Samstag-Vormittag mit Cartoons verbummeln,  Schoko-Eis essen bis wir Bauchweh haben, und uns die Knie beim Skateboard fahren aufschlagen. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

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Responses

  1. Das kann ich so unterschreiben.

    Den einzigen Unterschied, den ich zu früher feststellen kann (abgesehen vom äusseren Erscheinungsbild: Bart, graue Haare usw ;) ) ist, dass ich nun selber Geld für mein Spielzeug habe.

    btw. Danke :)

    • Ich danke für die Inspiration! :)

  2. Immer wieder gerne. Meine Kindergartengruppe heisst „Blauer Vogel“

  3. Mein Problem ist, ich weiß immer noch nicht, was ich mal werden will, wenn ich groß bin. Für Kinder sind Erwachsene Personen mit Funktionen: Mama, Papa, Postbote, Müllmann, Arzt. Vielleicht ist das Gefühl erwachsen zu sein eng gekoppelt mit dem Gefühl eine bestimmte Rolle auszufüllen. Wem das nicht gelingt oder wer immer im Vagen und Ungefähren bleibt, ist nicht erwachsen. Nur mal so eine Überlegung.

    • Interessante Idee. Aber so 100%ig muss sich das trotzdem nicht ausschliessen, oder? Also es könnte Leute geben die schon immer wissen was sie beruflich machen wollen, aber sich trotzdem nicht erwachsen fühlen. Muss allerdings zugeben dass ich keinen kenne ;)

  4. Hat sich das Erwachsensein geändert oder fühlt es sich nur anders an, als wir glaubten?
    Ich glaube, beides ein wenig. Dass es sich anders anfühlt, als wir als Kinder glaubten, ist imho klar.
    Dass es auch anders ist als vor Jahrzehnten, auch. Die Schranken werden niedergerissen, das kommt auf der einen Seite daher, weil sich Kinder mit Erwachsenendingen beschäftigen (Konsole, Computer, Smartphone) während es nicht mehr albern ist, dass Ü30 in normale Diskotheken (und -Abende) gehen.
    Das Erwachsensein ist auch deshalb anders, weil wir Älteren, nicht mehr akzeptieren wollen, dass wir durch irgendwelche sinnfreien (Alters-) Grenzen von interessanten Tätigkeiten ausgeschlossen sind. Wir sind nicht mehr bereit \”das tut man nicht\” als Argument zu akzeptieren.


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