Verfasst von: skategyrl | 07/06/2012

Die Schöne und das Biest oder Wo die Liebe hinfällt, macht es Plumps

Adolf Hitler und Eva Braun auf dem Berghof, 1942. Quelle: Bundesarchiv. Lizenz: Gemeinfrei.

Die Tage habe ich zufällig zum ersten Mal seit Langem mal wieder den Soundtrack von Bram Stoker’s Dracula (1992) angehört und habe mir ein paar Gedanken über die Liebe gemacht bzw. über die Darstellung derselben in Literatur und Filmen. Als ich den Film das erste Mal gesehen habe war ich noch ein Teenager und fand die tragische Liebesgeschichte zwischen Dracula und der jungen Mina, in der er seine verstorbene Frau wiedererkennt, unglaublich romantisch. Dabei hat mich weniger das Konzept ewige, schicksalhafte Liebe angesprochen (auf das die Kids abgehen die Twilight lesen), sondern die Vorstellung dass sogar das schlimmste Monster lieben und geliebt werden kann (und darf). Dass die Liebe so stark ist dass selbst das schwärzeste Herz erweicht wird und auf der anderen Seite zutiefst gute und moralische Menschen einen Mörder lieben können.

Diese Konstellation, dass eine unschuldige Frau sich unsterblich in ein Monster verliebt, mit mehr oder weniger tragischen Konsequenzen, gibt es in der Fiktion ja häufiger, mir fallen da spontan noch Mary Reilly und Die Schöne und das Biest ein (auf Geschichten von mordenden Pärchen wie in Natural Born Killers will ich hier explizit nicht eingehen, da dort der krasse Gegensatz zwischen Gut und Böse nicht vorhanden ist). Wer’s nicht kennt, der Film Mary Reilly (1996) erzählt die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde aus der Sicht eines Dienstmädchens das sich in das böse Alter Ego ihres Herrn verliebt (eine Portion Sado-Masochismus ist auch im Spiel).

Alle Geschichten haben gemeinsam, dass jeweils beide Parteien zunächst ihre Gefühle leugnen, dann aber doch der Liebe nachgeben müssen weil sie einfach zu stark ist. Die Macht der Liebe wird dabei umso mehr betont je abstossender das Monster dargestellt ist. Soweit so gut, das ist ja auch irgendwie eine schöne Vorstellung, dass die Liebe alle anderen Gefühle und Umstände ausser Kraft setzen kann (oder, in Vergils Worten, omnia vincit amor), so dass sich Leute z.B. im Krieg auch in „den Feind“ verlieben können.

Soweit die Fiktion, aber was heisst das jetzt für das wahre Leben? Etwa in Bezug auf Eva Braun und Adolf Hitler? Da fällt es mir plötzlich nicht mehr so leicht zu hachen und zu sagen, jaaa aber wenn er sie doch so geliebt hat zeigt das ja dass er irgendwo gaaanz tief unten noch einen guten Kern gehabt hat. Das kann ich mir eben doch nicht vorstellen, aber ich tue mich ja auch schon schwer mit der Vorstellung dass Hitler der Spezies Mensch angehörte.

Eva Braun ist vermutlich eh ein Sonderfall, da sie in einer Traumwelt lebte, in der sie die Realität komplett ausblendete und daher meiner Meinung nach Hitler nicht wirklich ehrlich geliebt hat. Gibt es noch andere Beispiele? Ganz allgemein stelle ich mir bei Diktatoren und anderen brutalen Männern* vor, dass sie eine Frau zwar begehren und für sich beanspruchen können, aber dabei nur an sich selbst denken und daher keine wirkliche Liebe empfinden.

Fällt euch ein realer Fall ein wo die Liebe aus einem abgrundtief bösen Menschen einen guten gemacht hat? Mir zumindest nicht. Also kann die Realität wohl mit der verklärten Romantik in der Fiktion nicht mithalten. Aber vielleicht ist es gerade das, was solche Bücher und Filme so reizvoll macht.

*ich spreche hier nur von Männern da sie in der Geschichte zu 99% die Macht innehatten und will damit nicht sagen dass Frauen nicht auch ebenso böse und grausam sein könnten

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