Verfasst von: skategyrl | 28/06/2012

Wer küsst wen?

Es gibt da einen Song den ich mag, auf den ich schon oft getanzt habe und der mir mit jedem Mal hören besser gefällt. Es geht um „Songs für Liam“ (nicht „Wenn du mich küsst“, habe ich auch jetzt erst festgestellt) von Kraftklub, den ihr euch hier anhören könnt.

Ich mochte den Song schon länger aus rein musikalischen Gründen, aber heute ist mir noch etwas ganz anderes aufgefallen: Hier singt ein Junge dass er von einem Mädchen geküsst werden will. Das mag jetzt nicht wie eine grosse Sache klingen, aber Kraftklub bricht mit dem gängigen, omnipräsenten Rollenverständnis dass die Frauen doch bitte nur hübsch in der Ecke rumstehen sollen und die Männer den aktiven Part übernehmen und die Initiative ergreifen. Der Song ist also feministisch, und zwar auf ganz ungezwungene, natürliche Weise, ohne das Thema überhaupt direkt anzusprechen.

Wenn man diesen Song jetzt einem Song wie „Kiss Me“ von Sixpence None the Richer gegenüberstellt (der passenderweise auf dem Soundtrack zum klischeehaften Schnulz-Film „Eine wie keine“ zu finden ist), wird der Unterschied besonders deutlich. Hier wartet die Sängerin sehnsüchtig schmachtend darauf dass ihr Märchenprinz herbeigeritten kommt, sie küsst und auf die Tanzfläche führt:

„Kiss me beneath the milky twilight
Lead me out on the moonlit floor“

Natürlich ist „Kiss Me“ nun schon von der Musik her eher ein Pop-Song, aber könnte man nicht auch genausogut eine schöne Ballade schreiben wo beide Partner aktiv und gleichberechtigt sind? Wäre das dann etwa nicht romantisch???

Nebenbei werden in dem Video zu „Songs für Liam“ auch gleichgeschlechtliche Paare und ein Paar mit unterschiedlichen Hautfarben beim Küssen gezeigt. Vorbildlich!

Also, liebe Musikschaffende: Bitte macht mehr solche Songs! Da tanze ich doch gleich doppelt so gern drauf :)

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Responses

  1. Hallo,

    vielen vielen Dank für diesen tollen Song. Ich habe von vielen Hurricane-Reviews gehört, dass Kraftklub wirklich gut gewesen sein soll. Bisher habe ich aber noch keinen Song der Band gehört.

    Da ist Songs for Liam gleich ein toller Einstieg wie ich finde.

    Und ja… mehr Feministische Musik brauchen wir auf jeden Fall. Mir fällt immer wieder auf, dass selbst eher „Linke“ Musik teilweise extrem antifeministisch und sexistisch ist. Eine Tatsache, die mich zunehmend verstört.

    Da ist Kraftklub doch eine tolle Ausnahme.

    Liebe Grüße
    Johannes

  2. Diese Dimension war mir bisher beim Hören von „Songs für Liam“ gar nicht bewusst – deshalb dankeschön fürs aufmerksam machen! :)

    Mir fällt dazu spontan noch Franz Ferdinands „No You Girls“ ein; beginnt passenderweise auch mit den Worten „Kiss me“ des Jungen, der vom Mädchen geküsst werden will – und versinkt dann im wundervoll tanzbaren Gefühlschaos ;)

    Mehr solche Lieder, bitte!


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