Verfasst von: skategyrl | 29/09/2012

Arschloch oder Fotze?

Ich fluche ja für mein Leben gern. Wenn ich mir den Zeh anstosse oder wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt oder wenn ich eine lange Mail getippt habe und aus Versehen auf den Reload-Knopf drücke gibt es keinen besseren Weg um schnell Dampf abzulassen (ohne etwas kaputtzuschlagen) als mal so richtig zu schimpfen wie ein Rohrspatz. Dabei sollte man natürlich aufpassen was man zu wem sagt um sich keine Anzeige wegen Beleidigung einzuhandeln, aber darum soll es hier nicht gehen ;)

Mir ist letztens aufgefallen wie sich Schimpfworte unterscheiden wenn man sie für Männer bzw. Frauen benutzt. Während ich einen Mann zum Beispiel mit „Arschloch“ oder „Vollpfosten“ betiteln würde, kommen mir einer Frau als Erstes „Schlampe“ oder „Fotze“ in den Sinn. Fällt euch was auf?

Beleidigungen für Männer sind im Allgemeinen nicht auf deren Geschlecht bezogen, die für Frauen schon. Mehr noch, für einen Mann ist es eine Beleidigung, als Frau bezeichnet zu werden („du Mädchen“, „du Pussy“). Dazu zähle ich auch einfach mal homophobe Beschimpfungen wie „Schwuchtel“ oder „Schwanzlutscher“, die auch wieder implizieren dass es für einen (cishetero-)Mann etwas Schlimmes wäre, weibliche Eigenschaften zugeschrieben zu bekommen.

Das ist jetzt alles nicht wirklich neu, wie Madonna schon in den Lyrics von „What It Feels Like For a Girl“ formuliert hat, werden Frauen als minderwertig angesehen:

„Girls can wear jeans and cut their hair short
Wear shirts and boots ‚cause it’s okay to be a boy
But for a boy to look like a girl is degrading
‚Cause you think that being a girl is degrading“

Wie gesagt, das ist alles nichts Neues, das ist der derzeitige Zustand der Welt in der wir leben und darüber wurde und wird an anderer Stelle schon genug diskutiert. Was mich an dieser Stelle aber wirklich aufregt ist, dass ich mich daran auch noch beteilige obwohl ich das gar nicht will. Sobald ich eine Frau als „Fotze“ beschimpfe, betreibe ich damit Misogynie. Ich werde dazu quasi gezwungen, weil es in der aktuellen Sprache praktisch keine Alternativen gibt.

Was ich gerne hätte (und vielleicht habt ihr dazu auch ein paar Ideen) ist ein kleiner Strauss an deftigen Schimpfworten die ich gegen eine Frau einsetzen kann, die sie aber nicht auf ihr Geschlecht reduzieren. Ein paar gibt es schon, zB „Zicke“ oder „Schnepfe“, die sind aber einfach nicht stark genug für manche Situationen. Und einfach „Arschloch“ auch auf Frauen anzuwenden widerstrebt mir auch. Einmal weil es einfach nicht passen würde, und weil damit der Mann mal wieder zum Normalfall gemacht wird.

Mal sehen, vielleicht mache ich in Zukunft „Kackbratze“ zur Wortwaffe meiner Wahl. Jedenfalls: So viel Gleichberechtigung muss schon sein, dass wir auch weibliche Arschlöcher ordentlich beleidigen können.

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Responses

  1. Spontan fällt mir dazu ein, anstelle von Kraftausdrücken einfach Adjektive zu benutzen:
    „Du gottverdammter, nichtsnutziger scheiss Drecksdrucker/Kerl/Weib“.

    Klappt für mich ganz gut, ist aber natürlich ne ganz andre Fluchkultur als ein einfaches „Arschloch“ o.ä. : /

  2. „Fotze“ sage ich nie. Bei Frauen sage ich „dumme Nuss“ und zu Männern Seggl – in der Steigerung Schofseggl oder ganz schlimm: Granadaseggl (aber das ganz selten, das hebe ich mir für die Härtefälle auf). Der schwäbische Seggl (Säckel) bezeichnet einen kleinen Beutel, aber auch den Hodensack. Insofern werden die männlichen Schwaben durchaus über das Geschlechtsteil beschimpft.
    Es gibt im alemanischen Dialekt aber auch eine weibliche Entsprechung zum Schimpfwort Seggl, nämlich die Bloder in der Steigerung Saubloder. Die Bloder bezeichnet allerdings die Blase und nicht die Vagina. Gefühlsmäßig als Mundartsprecher würde ich allerdings nicht sagen, dass das Schimpfwort Bloder der Bedeutung „Fotze“ entspricht, da man mit Bloder eigentlich eine dumme Frau meint, also explizit das Hirn beleidigt :-)
    Trotzdem gibt es einen Zusammenhang zwischen Bloder und Sexualität, wie auch Wikipedia aufklärt: http://de.wikipedia.org/wiki/Bloder

    • Stimmt, „Sack“ ist ein gutes Gegenbeispiel. Aber nur eins der wenigen…

  3. natürlich ist „zicke“ auch ein schimpfwort, dass auf das geschlecht reduziert – wenn auch nicht auf die geschlechtsorgane. ich habe noch nie gehört, dass ein mann als ‚zickig‘ bezeichnet wurde. zickigkeit ist eine eigenschaft, die meist frauen unterstellt wird…

  4. „Pissnelke´“ wende ich öfter mal gegen Frauen an. Allerdings nicht ins Gesicht, sondern wenn ich über eine schimpfe. (Ich sage Menschen aber eigentlich nie Kraftausdrücke ins Gesicht.)


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