Verfasst von: skategyrl | 20/02/2013

Berlinale 2013 – Teil 2

Poster der Berlinale 2013

Nun bin ich also wieder seit ein paar Tagen daheim, der Zauber der Berlinale wirkt aber noch in mir nach. Einige Leute haben mich tatsächlich gefragt ob ich jetzt erstmal für eine Weile von Filmen genug habe. Die klare Antwort: Nein! Ganz im Gegenteil, ich  könnte mich daran gewöhnen, jeden Tag 2-3 Filme anzuschauen :)

Hier nun also noch ein paar Kurzrezensionen:

Boy (5/5)

Richtig richtig gut gefallen hat mir der neuseeländische Jugendfilm „Boy“ von Taika Waititi, der in dem Film auch eine Hauptrolle spielt. Der Film ist wahnsinnig lustig und gleichzeitig sehr einfühlsam. Und ist voll mit 80er-Nostalgie. Hier gibt es den englischen Trailer.

Dark Blood (3/5)

Nach dem plötzlichen Tod von River Phoenix 1993 waren die Dreharbeiten zu diesem Film abgebrochen worden und erst 20 Jahre später wurde der Film mehr oder weniger fertiggestellt. Fehlende Szenen wurden einfach aus dem Off eingesprochen. Der Regisseur vergleicht dieses Werk mit einem Stuhl der 2 Beine hat. Ein drittes Bein wurde nun hinzugefügt, so dass der Stuhl immerhin stehen kann, aber das vierte wird immer fehlen. Als grosser Fan von River Phoenix musste ich mir den Film ansehen, war aber etwas enttäuscht. Wohlgemerkt hatte ich nur Probleme mit der wirren Handlung ansich, die Tatsache dass Szenen fehlen fällt gar nicht so ins Gewicht. Auf jeden Fall ein berührender Film der in einer anderen Welt zu spielen scheint.

An Episode in the Life of an Iron Picker – Epizoda u životu berača željeza (4/5)

Dieser Film, der 2 silberne Bären gewonnen hat, ist im Grunde kein Film sondern ein Stück Realität. Es geht nicht um Kunst oder Unterhaltung, sondern darum direkt und unverblümt das Leben dieser Roma-Familie in Bosnien darzustellen, und stellvertretend das aller anderen die ein menschenunwürdiges Dasein fristen. Wie die kranke Frau im Krankenhaus immer wieder abgewiesen wird weil sie keine Krankenversicherung hat und einfach kein Geld da ist um die lebensrettende Operation selbst zu bezahlen ging mir echt an die Nieren.

 

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Verfasst von: skategyrl | 13/02/2013

Berlinale 2013 – Teil 1

Front des Berlinale-Palastes in Berlin

Ich liebe ja generell Filme aller Art*, und dieses Jahr habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt und bin nach Berlin gefahren um mir die Berlinale anzuschauen. Überhaupt ist das mein erstes Filmfestival und ich bin immernoch ganz aufgeregt und geflasht von der Stimmung.

Besonders toll finde ich dass ein breites Spektrum an Filmen aus aller Welt gezeigt wird und zwar zu bezahlbaren Preisen (ab 2 EUR). Und im Gegensatz zu so manchen anderen Film-Ereignissen (*hust* Oscar *hust*) wird das Programm nicht dominiert von weissen Hetero-Männern, sondern es gibt jede Menge toller Filme von und über Frauen, queere Themen, und Menschen aller nur erdenklichen Schattierungen und Ethnien.

Aber ich will hier gar nicht lange schwafeln sondern euch ein paar Filme vorstellen die mir gut gefallen haben und die hoffentlich bald auch bundesweit im Kino zu sehen sein werden.

Layla Fourie (5/5)

Layla Fourie ist ein sehr starker Film der bei manchen Kritikern nicht so gut angekommen ist, mir aber trotzdem sehr gut gefallen hat. Ich habe jede Sekunde mit der Titelfigur mitgefiebert, die vor einige schwierige moralische Entscheidungen gestellt wird.

The Rocket (5/5)

Dieser Film hat mich von der ersten bis zur letzten Minute bezaubert. Die Geschichte eines laotischen Jungen der mit einem alten Aberglauben zu kämpfen hat ist sehr liebevoll und einfühlsam erzählt, aber nie kitschig. Die wunderschönen Bilder  und exotischen Landschaftsaufnahmen sind das Sahnehäubchen obendrauf.

Side Effects (5/5)

Ein meisterhafter Psycho-Thriller von Steven Soderbergh mit überraschenden Wendungen bis zum Schluss. Mehr will ich gar nicht verraten ^^

Meine Schwestern (4/5)

Normalerweise stehe ich nicht so auf deutsche Filme, aber dieser hat mir dafür sehr gut gefallen. Es geht um eine todkranke Frau die mit ihren Schwestern eine letzte Reise unternimmt. Das klingt sehr bedrückend, ist es aber nicht, weil der Film das Leben zelebriert und nicht den Tod. Die Geschwister-Konstellation hat mich ein wenig an The Darjeeling Limited erinnert.

Twa Timoun – Three Kids (3/5)

Die Geschichte von drei haitianischen Strassenjungen ist in ersten Linie wegen ihres dokumentarischen Charakters interessant, die Handlung ansich hat mich nicht wirklich überzeugt und war stellenweise einfach langweilig.

Fynbos (2/5)

Leider muss ich auch eine negative Rezension vergeben. Im Grunde passiert in diesem Film die ganze Zeit nichts und am Ende ist man auch nicht schlauer als am Anfang. Und was mich fast noch mehr gestört hat, der Film spielt in Südafrika, es gibt aber nur eine einzige schwarze Sprechrolle (und das ist bloss eine Nebenfigur), ansonsten bewegt sich die ganze Handlung in der Parallel-Welt von reichen, weissen Europäern. Muss man sich wirklich nicht antun.

So, das war’s fürs Erste, den zweiten Teil bekommt ihr in ein paar Tagen!

*ausser kitschige Romcoms *wü-ärg*

Verfasst von: skategyrl | 20/12/2012

„Du sollst die Tauben nicht füttern“

Tauben

„Tauben“ by m.rauh (CC-BY)

Ich muss so im Grundschulalter gewesen sein als mein Vater diesen Satz zu mir sagte. Du sollst die Tauben nicht füttern. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht weiter darüber nachgedacht, aber der Satz hat sich wohl in mein Gehirn eingebrannt und seit Kurzem muss ich öfter daran denken.

Du sollst nicht… Der Satz klingt fast wie ein Gebot aus der Bibel. Der Sinn darin soll sein dass wilde Tauben sich nur umso stärker vermehren und die Stadt verdrecken wenn man sie füttert. Das ist ja auch verständlich, Tauben sind ein grosses hygienisches Problem in vielen Städten. Das Problem ist dass mein Vater damit keine Vögel meinte, sondern Menschen.

Als Kind fand ich es immer ausgesprochen unangenehm, obdachlosen und/oder bettelnden Menschen zu begegnen, und ich wusste nie wie ich damit umgehen sollte. Weiss ich im Grunde bis heute nicht. Diese Menschen sind nicht schön anzusehen, machen vielleicht sogar Angst. Viele sind schmutzig, ihre Kleider zerrissen, ihre Gesichter sind vielleicht gezeichnet von Drogen- oder Alkoholmissbrauch.  „Penner“ sind sie, oder „Junkies“, alle irgendwie gleich, obwohl die Geschichten wie sie in diese Situation gekommen sind vermutlich sehr unterschiedlich sind.

Natürlich habe ich Mitleid mit diesen Menschen, ich möchte ihnen helfen, aber was soll ich tun? Ihnen einen Euro in die Hand drücken? Wenn ich das bei jedem/jeder mache bin ich bald selbst arm, und dennoch wäre es nicht genug um einen Unterschied zu machen. Und wenn ich einem Bettler ein bisschen Geld in die Hand drücke, mache ich das dann nicht nur um mein Gewissen zu beruhigen? So oder so fühle ich mich schlecht. Tief unten wünsche ich mir, diese Menschen wären nicht mehr da, dass da keiner mehr sitzt wenn ich durch die Fussgängerunterführung gehe oder über den Bahnhofsvorplatz.

Das impliziert ja auch der Spruch mit den Tauben, wenn du sie nicht weiter fütterst, verschwinden sie irgendwann. Was das ganz konkret heisst, darüber will man lieber nicht nachdenken. Lieber schnell weitergehen.

Obdachloser, auf der Strasse schlafend

„Warmth“ by cycloctopus (CC-BY)

Wie ekelhaft und menschenverachtend diese Art zu denken ist, wurde mir erst viel später klar. Kürzlich habe ich mich mit einem Kollegen darüber unterhalten dass jeden Winter Menschen auf der Strasse erfrieren. Er meinte nur, dass man sich in Deutschland schon sehr anstrengen müsse um obdachlos zu werden. Das hat mich echt umgehauen. Ob das soziale Netz ausreichend ausgebaut ist, ob HartzVI zumutbar ist, ob man jemandem die Schuld für sein Drogen- oder Alkoholproblem geben kann oder nicht, darüber kann man diskutieren, aber selbst wenn diejenige Person einen Fehler gemacht hat, heisst das dass man sie einfach im Stich lassen darf?

Das wahre Ausmass des Problems erkennt man schnell wenn man diese Gedanken einen Schritt weiterführt. Wenn ich bei Rot über die Ampel fahre und einen Unfall habe, sollen mich die Ärzte dann sterben lassen weil ich ja selbst Schuld war? Oder dürfen wir jetzt einteilen in lebenswürdiges und -unwürdiges Leben? Was ist dann mit alten Menschen, mit Kranken, mit Behinderten? Sie erfüllen keinen Zweck, bringen der Gesellschaft keinen Nutzen, ja sind sogar eine Belastung. Genau so haben damals schon die Nationalsozialisten argumentiert und für viele solcher Menschen den „Gnadentod“ angeordnet.

In unserem Land macht sich eine soziale Kälte breit die mir bis ins Mark zieht und mich zittern lässt.

Verfasst von: skategyrl | 30/11/2012

Lasst Socken sprechen!

Disclaimer: Ich habe diesen Text komplett nüchtern und drogenfrei verfasst. Das werdet ihr mir jetzt eh nicht glauben, aber ich wollte es nur mal gesagt haben.

Es ist Freitag Abend und damit die Zeit um die sich auf die Couch zu werfen, die Seele hochzulegen und die Füsse baumeln zu lassen. TGIF!

A propos Füsse, ich hatte vor ein paar Tagen einen etwas merkwürdigen Gedankengang, dem seitdem noch einige weitere gefolgt sind. Und die werde ich mehr oder weniger so niederschreiben wie sie mir eingefallen sind, also entschuldigt schon mal die Unordnung, ich komme einfach so selten dazu meinen Kopf aufzuräumen.

Vor wem würdet ihr eure Schuhe ausziehen? Habt ihr euch das schon mal überlegt? Die meisten von uns ziehen sich ja nicht sehr oft vor anderen Menschen aus. Von sexuellen Handlungen mal abgesehen ziehen sich erwachsene Menschen eigentlich höchstens für medizinische Untersuchungen aus. Es sei denn sie werden genau dafür bezahlt, aber das ist wohl eher die Ausnahme. Generell wird im Berufsleben eher erwartet dass man sich nicht auszieht.

Man muss sich natürlich nicht gleich ganz nackig machen. Aber auch mal Socke zu zeigen beweist eine gewisse Intimität und erzeugt Verbundenheit unter Kollegen. Vorausgesetzt, man hat keinen Job mit Kontakt zu Kunden oder strengriechende Füsse. Ich würde jedenfalls nirgendwo arbeiten wollen wo ich mir nicht auch mal die Schuhe ausziehen kann. So.

In Japan ist wäre sogar extrem unhöflich, ein Haus oder eine Wohnung zu betreten ohne die Schuhe auszuziehen. Übrigens, falls ihr euch noch mehr für Nacktheit bzw Unbekleidetheit interessiert, empfehle ich euch diesen Text von Anatol Stefanowitsch über den Unterschied zwischen „naked“ und „nude“. Und wusstet ihr schon, dass auf dem Hauptgebäude der Uni Bonn eine nackte Frau steht, die die Naturwissenschaften darstellt? Ja wirklich, könnt ihr hier nachlesen.

Habt ein schönes Wochenende!

Es ist mal wieder soweit, ich möchte euch einen Film und ein Buch vorstellen mit denen ihr die dunklen Wintermonate die vor uns liegen durchstehen könnt.

Blood Tea and Red String (2006)

Ich möchte wetten dass die allermeisten von euch noch nie von diesem Film gehört haben werden, geschweige denn ihn gesehen haben. Mir ist er auch nur zufällig bei Arte über den Weg gelaufen, aber er ist so (alp-)traumhaft schön dass er mich danach nie wieder losgelassen hat. Hier könnt ihr euch den Trailer anschauen.

„Blood Tea and Red String“ ist ein in aufwändiger Handarbeit von Christiane Cegavske produzierter Stop-Motion-Animationsfilm. Die Künstlerin hat zwölf Jahre lang an diesem Film gearbeitet und dabei alles selbst gemacht, vom Drehbuch über die selbstgenähten Puppen bis hin zur eigentlichen Animation. Nur die traurig-schöne Flötenmusik wurde von jemand anderem, nämlich Mark Growden, beigesteuert.

Ich will jetzt gar nicht viel über die Handlung verraten, nur dass es ein bittersüsses Märchen ist das komplett ohne Sprache auskommt. Die Bilder sind schlicht, aber gleichzeitig berauschend und manchmal fast verstörend. Der Film zieht einen förmlich in die Märchenwelt hinein, wobei man sich nie ganz sicher ist ob es ein Traum oder ein Alptraum ist. Tut euch den Film einfach mal an und erzählt mir wie er euch gefallen hat.

Der Nachtzirkus (The Night Circus) von Erin Morgenstern

Das Buch würde ich ebenso als traumhaft/verträumt und bittersüss bezeichnen. Das Besondere an diesem Zirkus ist nicht nur dass er nur nachts auftritt, sondern dass es darin echte Zauberer gibt, die aber ihre Magie nicht offen vorführen sondern als geschickte Zaubertricks tarnen. Dadurch dass die Magie so subtil verborgen ist finde ich sie fast noch reizvoller als die exzessive Zauberei zB bei Harry Potter (nichts gegen Harry Potter).

Es geht in der Haupthandlung um zwei Waisenkinder, ein Mädchen und einen Jungen, die jeweils von einem Magier in die Lehre genommen werden und gegeneinander im Wettstreit antreten müssen, wobei die Regeln dieses Wettkampfes nie wirklich klargemacht werden und sie sich zu Beginn nicht einmal kennen. Über die Jahre interagieren sie indirekt miteinander und inspirieren sich sogar gegenseitig, indem sie im Nachtzirkus auftritt und er im Hintergrund neue Attraktionen für entwirft. Wie man sich denken kann, begegnen sie sich aber doch irgendwann und verlieben sich, was ihren jeweiligen Lehrmeistern natürlich gar nicht in den Kram passt da es den Wettkampf in Gefahr bringt…

Die junge Autorin hat mit ihrem Erstlingswerk eine erstaunlich detaillierte Welt und eine Reihe interessanter Charaktere erschaffen, die unglaublich lebendig wirken. Es überrascht mich nicht dass darum gerade ein ziemlicher Hype entsteht, und ich finde ihn durchaus verdient. Ich für meinen Teil werde dieses Buch jedenfalls dieses Jahr zu Weihnachten fleissig verschenken. Ausnahmsweise kann ich sogar die deutsche Übersetzung voll empfehlen, die wirklich gut gemacht ist. Eine Verfilmung ist übrigens auch schon in Arbeit.

***

P.S., wenn ihr die letzten Beiträge verpasst habt wo ich Filme und Bücher vorgestellt habe, hier sind nochmal die Links:

„Contagion“ und „The Selected Works of T. S. Spivet“

Zombies! In deinem Bücherregal!

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